Bug

(2006; William Friedkin; Ashley Judd) Der Slogan “Sein wahrscheinlich bester Film” hätte mich eigentlich schon stutzig machen sollen – schließlich gilt auch Tiptoes als “Film seines (Gary Oldmans) Lebens”. Wobei “Bug” noch eine Spur besser ist – aber viel hat nicht mehr gefehlt!

Basierend auf einem Theaterstück beginnt der Film eigentlich noch atmosphärisch dicht. Agnes, eine einsame Frau im besten Alter (eine unheimlich gealterte Ashley Judd), fühlt sich durch Anrufe belästigt, die vermutlich von ihrem Ex-Mann stammen. Sie lebt ein tristes Leben zwischen ihrem Job als Serviererin in einer Bar und einem Mini-Appartement in einem Motel. Soweit ist die Darstellung, für die sich der Regisseur viel Zeit nimmt, noch überzeugend.

Ihre Freundin R.C. bringt eines Tages einen Typen namens Peter Evans mit, der ebenso zurückhaltend wie geheimnisvoll erscheint. Die beiden offenbar vor Einsamkeit ausgezehrten Menschen landen gemeinsam im Bett, eine zarte Liebe scheint sich anzubahnen. Doch dann bricht der Film mit der normalen Welt und es stellt sich heraus, dass Peter unter Wahnvorstellungen leidet. Zunächst noch sehr zögerlich, aber mit jeder neuen Szene (die sich wie Akte in einem Theaterstück unkommentiert in Zeitsprüngen vollziehen) wird Peters Verfolgungswahn und seine Angst, von Ungeziefer innerlich zerfressen zu werden, dramatischer.

Weder R.C. noch der plötzlich auftauchende Ex-Mann können verhindern, dass sich Agnes komplett in Peters Bann ziehen lässt. Aus Furcht vor neuerlicher Einsamkeit ist sie bereit, sich völlig auf Peters Wahnvorstellungen einzulassen.  Dass sie selbst noch eine tragische Vergangenheit hat, mag man in einem Bühnenstück noch verkraften: hier wirkt es aufgesetzt und lenkt vom eigentlichen Plot ziemlich ab. Ashley Judd spielt zwar großartig, aber das bleibt verlorene Liebesmüh bei diesem Skript

Peters Wahn endet schließlich in einer Katastrophe, wer sich diesen Film wirklich antun will, dem möchte ich nicht auch noch das Ende verraten haben. Es ist ein wenig spektakulär, wiegt aber die vorangegangen trögen 90 Minuten (10 Minuten ziehe ich als sehenswert von den gesamten 102 Minuten ab) nicht auf.

Fazit: Nein, es ist nicht Friedkins bester Film (das war “Der Exorzist”). Wer solche Register ziehen muss, um einen Film über Einsamkeit zu drehen, der schießt absolut übers Ziel hinaus - intelligente Unterhaltung sieht anders aus!

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